Zwei Lesungen im Antiquariat Buch & Kunst: Oskar Ansull (13. Oktober 2022) und Hans Pleschinski (21. Oktober 2022)

Vor einem knappen Jahr lud Michael Kröger in sein Antiquariat Buch & Kunst, Kasernenstraße 12 in Braunschweig, zu zwei besonderen Abenden ein, nachzulesen hier. Nun wird die schöpferische Pause, die der Antiquar nach Jahrzehnten vielfältiger Veranstaltungstätigkeit eingelegt hat, erfreulicherweise noch einmal für zwei vielversprechende literarische Erlebnisse unterbrochen.

Oskar Ansull in Buch & Kunst 2021

Am 13. Oktober 2022 um 20 Uhr stellt Oskar Ansull sein bei Wehrhahn erschienenes neues Buch Nebensätzliches. Gedankenspäne und Wortfindungen vor, laut Verlag „ein hintersinniges, poetisches, heiteres wie auch bissiges Buch, in dem sich nebenher und -hin, wo immer es aufgeschlagen wird, mit Sprachgewinn blättern lässt“. Näheres dazu hier auf der Verlagsseite. Der in Celle geborene und derzeit in Berlin lebende Schriftsteller, Lyriker, Herausgeber und Rezitator war seit Jahrzehnten wiederholt in Buch & Kunst zu Gast und verstand es jedesmal, sein Publikum zu fesseln.

Gleiches gilt für den in Wittingen geborenen und in München lebenden Romanautor, Herausgeber, Essayisten und Übersetzer Hans Pleschinski. Auch dieser vielseitige Literat ist unserer Region und dem Antiquariat Buch & Kunst seit langem verbunden und war immer wieder mit Lesungen und Buchvorstellungen dort zu Gast. 1991 hatte Michael Kröger Pleschinskis Holzvulkan um Herzog Anton Ulrich und sein Salzdahlumer Schloss neu aufgelegt. Am 21. Oktober um 20 Uhr wird Pleschinski aus seinem im letzten Jahr erschienenen Roman Am Götterbaum lesen.

Michael Kröger und Hans Pleschinski in Buch & Kunst am 14. November 2018. Wir danken Günter Wolters für die Aufnahme und die Erlaubnis, sie hier zu verwenden.

Das durchaus humorvolle Werk dreht sich um einen Versuch dreier kulturschaffender Damen, mit einem städtischen Projekt an den einst hochgeschätzten und jetzt fast vergessenen Schriftsteller Paul Heyse zu erinnern. „In seinem neuen Roman entfacht Hans Pleschinski ein höchst unterhaltsames Feuerwerk – mit spritzigen Dialogen und einem scharfen Blick auf die Gegenwart“ – so Verlag C. H. Beck, in dem der Roman 2021 erschien, Näheres siehe hier.

Der Eintritt zu den Lesungen kostet jeweils 8 EUR. Weitere Informationen können telefonisch (0531/347332) oder per Mail an Michael Kröger buchundkunst@aol.com erfragt werden. Zum literarischen Genuss wird wie immer die besondere Atmosphäre des schönen Antiquariats beitragen. 2019 konnte es sein fünfunddreißigjähriges Bestehen feiern, worüber wir hier berichteten. Damit es noch lange existiert, gilt weiterhin, was wir damals schrieben: „… das mit Herzblut betriebene Antiquariat ist und bleibt das Wichtigste und die Voraussetzung für all die anderen Aktivitäten, und damit es weiterbesteht, können wir nur allen empfehlen: Kommen Sie über die Schwelle, schauen Sie selbst…“

Bücherlust in Berlin-Karlshorst

Am 10. und 11. September 2022 fand erstmals die neue Antiquariatsmesse Bücherlust statt, veranstaltet von Christoph Neumann, dem Inhaber des Antiquariats Neumann in Berlin. Ein mutiger Neuanfang an ungewöhnlichem und durchaus reizvollem Ort, und zwar in der alten Tribünenhalle der Trabrennbahn Berlin-Karlshorst, Treskowallee 159, parallel zu einem großen Antikflohmarkt auf dem Außengelände.

Es gelang auf Anhieb, 50 Stände zu besetzen, teils mit überregional bekannten AusstellerInnen, mehrere davon aus anderen europäischen Ländern. Auch ein Braunschweiger Kollege, Reinhard Denecke vom Antiquariat Rabenschwarz, war mit eigenem Stand vertreten. Info-Stände boten die GIAQ (Genossenschaft der Internet-Antiquare) sowie die Pirckheimer Gesellschaft für Bibliophile und der Online-Marktplatz für Antiquitäten & Sammeln oldthing.

Die Besucherzahl wäre noch steigerungsfähig, aber die gute Stimmung war spürbar, die Anwesenden freuten sich über das reichhaltige und vielfältige Angebot, den Austausch unter Bücherfreundinnen und -freunden, die lange vermissten persönlichen Begegnungen und Gespräche. Hier gibt es eine Bildergalerie mit Impressionen von beiden Messetagen.

Christoph Neumann schrieb kurz nach Ende der Veranstaltung an die Beteiligten: „Zusammen haben wir ein kleines Wunder vollbracht. Wir haben ein Forum für alle aus dem Nichts in knapp fünf Monaten geschaffen, das eine neue Möglichkeit des Zusammentreffens und des Austauschs bietet. Die Veranstaltung wird nun Wellen schlagen. [ ] Wir haben nun, gegen die Erwartungen von einigen Seiten, einen tollen Anstoß gegeben und es wird weitergehen.“ Vorgesehen ist die jährliche Wiederholung der Messe, der Termin für 2023 steht aber noch nicht fest.

Wir Kolleginnen und Kollegen aus der Löwenstadt wünschen der Bücherlust alles Gute für die Zukunft!

Buchvorstellung und Ausstellungs-Eröffnung – zwei besondere Abende im Antiquariat Buch & Kunst

Die schöpferische Pause, die Michael Kröger und sein Antiquariat Buch & Kunst, Kasernenstraße 12 in Braunschweig, nach Jahrzehnten vielfältiger kultureller Abendveranstaltungen und Kunstausstellungen eingelegt hatte, wird – zu unserer Freude – wieder einmal für zwei schöne Veranstaltungs-Abende und eine mehrwöchige Ausstellung unterbrochen.

… da bin ich anderer Ansicht: Fotographie und Objekte von Irene Heimsch
Einladung zur Ausstellungseröffnung von Irene Heimsch

Am 16. November 2021 um 20 Uhr wird eine Ausstellung mit Aufnahmen und Objekten der Künstlerin Irene Heimsch eröffnet, einführende Worte spricht Dr. Rainer Mügel. Die gebürtige Kölnerin, die seit 1968 in Wolfsburg lebt, hat an den Kölner Werkkunstschulen und später an der TU Braunschweig studiert. Ihr Lebenslauf ist geprägt durch zahlreiche Arbeitsaufenthalte in europäischen Ländern, Afrika, USA und China, eigene Lehrtätigkeit, Atelier-Beteiligungen, Mitgliedschaft im BBK und Museum für Photographie Braunschweig sowie eine Reihe von Ausstellungen.

Die jetzt in Buch & Kunst gezeigten Aufnahmen, überwiegend vor Ort entstanden, spiegeln auf charmante Weise – teils leicht verfremdet – Ausstattungsdetails wider, vor allem die Decken-Lampen mit ihrem nostalgischen Reiz.

Die Bilder treten – wie die originellen Objekte und Assemblagen – in einen reizvollen Dialog mit den Bücher- und Bilderwelten des Antiquariats.

Die Ausstellung ist bis zum 11. Dezember 2021 zu den üblichen Öffnungszeiten (Di – Fr 10 – 13 und 15 – 18 Uhr, Sa 11 – 13 Uhr) zu sehen. Bitte beachten Sie die Corona-Regeln.

Buchvorstellung „Gedichte“ mit Oskar Ansull
Oskar Ansull in Buch & Kunst 2019

Am 18. November 2021 liest der in Celle geborene und derzeit in Berlin-Pankow lebende Schriftsteller, Lyriker und Rezitator Oskar Ansull eigene Lyrik aus seinem neuesten Buch Gedichte, in das außer den bisher nicht publizierten Texten in die laufende Trommel auch die Gedichte der schon früher erschienenen und längst vergriffenen Bände Disparates und Entsicherte Zeit aufgenommen wurden. In der Ankündigung heißt es: „Der Autor vollzieht mit zum Teil schon veröffentlichten Gedichten eine poetische Rückreise über fast ein halbes Jahrhundert, und es ergeben sich verblüffend aktuelle Bezüge.“ Das Buch ist gerade erst im Wehrhahn Verlag erschienen, Näheres dazu siehe hier.

Oskar Ansull, der – seit dreißig Jahren – wiederholt in Buch & Kunst zu Gast war, wird auch aus seinem im März 2021 erschienenen Kleinprosa-Buch Papierstreifen lesen, laut Verlag „ein vielfältiges Geflecht von Portraits, Reflexionen, Miniaturen, Reisenotizen, geschichtlichen Rückblicken und autobiographischen Momentaufnahmen“. Wir dürfen uns also auf einen abwechslungsreichen und inspirierenden Abend in Buch & Kunst freuen. Hier gibt es weitere Informationen über das schöne Antiquariat, und hier geht es zu dessen eigener Website. Nicht zu vergessen: Entdeckung und Erwerb schöner, seltener, interessanter und preisgünstiger Bücher wird in Buch & Kunst zum besonderen Erlebnis, natürlich auch und gerade außerhalb der Veranstaltungsabende.

Achtung: Für die Lesung mit Oskar Ansull gilt die 2G-Regel. Eintritt: 8 EUR

Oskar Ansull, Irene Heimsch und Michael Kröger: Ausklang der beeindruckenden Lesung am 18. November 2021 in Buch & Kunst

Vielen Dank an Michael Kröger, Irene Heimsch und Oskar Ansull für diesen Lichtblick.

In memoriam Detlef Thursch

Detlef Thursch 3. 11. 1952 Guben – 11. 6. 2021 Lissendorf

Im Juni dieses Jahres erhielten wir eine bestürzende Nachricht: Detlef Thursch ist vollkommen unerwartet im Alter von 68 Jahren gestorben. Der Antiquar und Veranstalter hatte seit mehr als zwanzig Jahren große Antiquariatsmessen (mit internationaler Beteiligung und gemeinschaftlichen Katalogen) in Düsseldorf, Leipzig, Frankfurt und zweimal auch in Abu Dhabi sowie kleinere Antiquariatstage in verschiedenen Städten wie Berlin, Bonn und Hamburg organisiert.

Rare Books & Fine Art 2018, vormals Frankfurter Antiquariatsmesse

Einen ersten Einblick in Detlef Thurschs durch leidenschaftlichem Einsatz geprägten Werdegang einschließlich des damit verbundenem Engagements in der Genossenschaft der Internet-Antiquare (GIAQ) und in der Arbeitsgemeinschaft Antiquariat im Börsenverein gibt Björn Biester hier auf boersenblatt.net und kündigt eine ausführliche Würdigung im September-Heft 2021 der Fachzeitschrift „Aus dem Antiquariat“ an. Detlef Thursch war auch ein geschätztes Mitglied der bibliophilen Pirckheimer-Gesellschaft, auf deren Blog Michael Solder hier an ihn erinnert und viele seiner Aktivitäten angekündigt und kommentiert wurden.

Leipziger Antiquariatsmesse 2018

Besonders am Herzen lag ihm die lebendige und vielfältige Leipziger Antiquariatsmesse (im Rahmen der Buchmesse), deren Organisation er 2002 übernahm und die er nicht zuletzt durch eine das Areal umgebende Literaturmeile mit günstig angebotenen schönen und interessanten Büchern noch attraktiver auch für jüngere Bücherfreunde gestalten konnte. 2019 feierte diese Antiquariatsmesse ein Jubiläum (25 Jahre des Bestehens), bevor pandemiebedingt leider zwei Jahre lang kein realer Messebetrieb mehr möglich war.

Detlef Thursch, Leipziger Antiquariatsmesse 2019

Doch selbst dieser Rückschlag konnte Detlef Thursch nicht entmutigen. Die prekäre Situation bei der sehr kurzfristigen unvermeidbaren Absage 2020 und das kooperative Verhalten seiner AusstellerInnen beschrieb er unter dem Titel „Leipziger Antiquariatsmesse 2020 – ein Stück gelebte Solidarität“ im Juni-Heft 2020 „Aus dem Antiquariat“. Und als 2021 erneut keine reale Messe durchführbar war, erstellte er noch im Mai neben einem umfangreichen virtuellen Ersatzangebot einen gehaltvollen Gemeinschaftskatalog zur abgesagten 27. Leipziger Antiquariatsmesse „als kleinen Ersatz für Ihren Besuch“, wie er in der Vorrede schrieb. Auch BuchkünstlerInnen haben sich daran beteiligt.

Dieter Eckert und Detlef Thursch beim Hamburger Antiquariatstag 2017

Die kleineren ein- oder zweitägigen Antiquariatstage, die Detlef Thursch mit seinen Mitarbeitern veranstaltete, hatten ebenfalls ihren besonderen Charme. Manche fanden nur ein- oder zweimal statt. Am längsten gab es den Hamburger Antiquariatstag (bis 2018). Am 9. Oktober dieses Jahres wollte Detlef Thursch trotz aller Bedenken und Schwierigkeiten einen Neustart dieser Veranstaltung im Museum der Arbeit in Hamburg-Barmbek wagen, zu dem sich auch langjährige Weggefährten wie Dieter Eckert aus Bremen angemeldet hatten. Wie manch anderer Kollege – aus Braunschweig Reinhard Denecke, Antiquariat Rabenschwarz – kannten sich die beiden Antiquare bereits aus Düsseldorfer Zeiten, als Detlef Thursch dort noch ein Ladenantiquariat betrieb und von 1997 bis 2001 eine Messe ausrichtete.

Antiquariatskatalog und Antiquariatstagsankündigung aus Düsseldorfer Zeiten

Manche sammelten in Düsseldorf ihre ersten Aussteller-Erfahrungen und nahmen immer wieder an seinen Veranstaltungen teil. Später verlegte er seinen Wohn- und Firmensitz (www.abooks.de) nach Lissendorf in der Eifel. Zu den Dienstleistungen gehörte auch ein Infoservice, über den Nachrichten per Mail an zuletzt mehr als 1660 Antiquariate in Deutschland und weitere in Europa und Übersee versandt werden konnten.

Der Hamburger Antiquariatstag 2021 sollte stattfinden, musste aber inzwischen pandemiebedingt abgesagt werden (Nachtrag Ende August 2021).

Die Verfasserin dieser Zeilen freute sich – wie viele andere auch – schon sehr auf ein Wiedersehen in Hamburg. Sie ist Detlef Thursch vor etwa 10 Jahren erstmals begegnet und hat ihn als engagierten, humorvollen und sehr zugewandten Menschen kennengelernt, der noch im größten Messetrubel Zeit für ein Gespräch fand. Dabei nahm er lebhaften Anteil an allem, was in der Antiquariatsszene auch abseits seines Wirkungskreises geschah, sogar an unseren Bemühungen, einen Braunschweiger Antiquariatsmarkt zu etablieren. Als keine persönlichen Begegnungen möglich waren, blieb der Gedankenaustausch per Mail mit hilfreichen Anregungen und Ermutigung.

Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und dem kleinen, eingeschworenen Team – allen, die ihm nahestanden und ihm für die bewundernswerte Lebensleistung zugunsten der Antiquariatsszene den Rücken stärkten. Und die nun ohne ihn weiterleben müssen…

Ursula Saile-Haedicke

P.S.: Am 4. Juli 2021 erreichte uns die hoffnungsvolle Nachricht, dass Detlefs Thurschs Söhne Jan Thursch und Paul Kaspar gemeinsam mit Max Koller und Christian Schoppe vorhaben, die Leipziger Antiquariatsmesse 2022 – wie gewohnt im Rahmen der Buchmesse – stattfinden zu lassen (vom 17. bis zum 20. März 2022). Und am 27. August 2021 schrieb das abooks-Team, dass der für Oktober 2021 geplante Hamburger Antiquariatstag zwar leider coronabedingt abgesagt werden muss, aber: „Umso gespannter blicken wir auf den März 2022 und damit auf die Leipziger Antiquariatsmesse. Die Vorbereitungen sind im Gange und wir freuen uns darauf, Sie dort als Aussteller oder Besucher begrüßen zu können!“

Horst Henneberg und sein Algonkin-Antiquariat – eine Erinnerung

Im Januar 2021 starb nach schwerer Krankheit im Alter von 79 Jahren Horst Henneberg, der drei Jahrzehnte lang (bis 2017) in Braunschweig ein antiquarisches Ladengeschäft mit Versand betrieb.

Horst Henneberg im Algonkin-Antiquariat 2011

Nach seiner Meisterprüfung als Schriftsetzer und Immaturenprüfung (Geschichte) hatte er von 1975 bis 1982 als Sachbuchhersteller und Lektoratsassistent im Westermann Verlag gearbeitet. 1985 gründete er gemeinsam mit Heiner Waßmuß (heute Inhaber des Leseratte Buchladens) das Antiquariat im Hopfengarten, drei Jahre später schied er dort aus und eröffnete das Algonkin-Antiquariat in der Hartgerstraße, wo er sich zunehmend auf Indianerliteratur spezialisierte. Weitere Angebots-Schwerpunkte waren: Brunvicensien, Kinder-, Märchen- und Bilderbücher, Abenteuer-Bücher (Karl May, Friedrich Gerstäcker u.a.), historische Reiseberichte, Orts- und Landeskunde, insbesondere von Nordamerika (Besiedlung, Geschichte), außerdem Indianer-Figuren. 2003 zog das Algonkin-Antiquariat aus dem Östlichen Ringgebiet an einen innenstadtnäheren Standort in die Sonnenstraße.

Algonkin-Antiquariat in der Sonnenstraße

Im Zusammenwirken mit Braunschweiger Weggefährten wie Thomas Ostwald und Wilfried Homann, die sein Interesse teilten, publizierte er in Dietmar Küglers Verlag für Amerikanistik Magazinbeiträge und selbstständige Veröffentlichungen, beispielsweise das Sonderheft „Auf dem Pfad des Bisonhundes“ und – im Jahr 2000 – sein Buch „Die Métis – Die Falken des Nordwestens“ über eine kanadische Ethnie aus Nachkommen indianischer Frauen und europäischer Händler, Trapper und Siedler. Für andere Werke, etwa „Das große Trapperhandbuch“ und „Das große Indianerhandbuch“, fertigte er die Zeichnungen.

Horst Hennebergs Bücher, erschienen im Verlag für Amerikanistik

Alljährlich nahm er mit einem Bücherstand an den Karl May-Festtagen in Radebeul bei Dresden teil und traf sich mit Gleichgesinnten wie seinem Magdeburger Freund Uwe Zwenzner, der ihn auch noch dorthin fuhr und unterstützte, als er das allein nicht mehr schaffen konnte.

Horst Henneberg und Ehepaar Zwenzner beim Braunschweiger Bücherbasar 2013

Mehr als 10 Jahre lang hatte er zu den Standinhabern des Braunschweiger Bücherbasars im Kulturpunkt West gehört und sich – einmal sogar mit einem Beiprogramm – für die Veranstaltung engagiert.

Horst Henneberg beim Braunschweiger Bücherbasar 2005 mit eigenem Beiprogramm

Sein Antiquariat war in den besten Zeiten ein Treffpunkt für Menschen, die sich durch die originelle Atmosphäre und das Spezialgebiet sowie die angeregten, oftmals kontroversen Gespräche angezogen fühlten. Auch die „Schwarzkünstler“, ehemalige Berufskollegen aus seiner Zeit bei Westermann, fanden sich regelmäßig dort bei Kaffee und Kuchen ein.

Leider waren – durch persönliche Schicksalsschläge wie den Verlust nahestehender Menschen und seinen zunehmend schlechteren Gesundheitszustand – Horst Hennebergs letzte Lebensjahre stark überschattet. Seit 2017 war er in einem Pflegeheim untergebracht. Im Algonkin-Antiquariat hatte ihn zuvor und eine Zeitlang danach Jan Raabe vertreten, doch noch im gleichen Jahr wurde das Ladengeschäft geschlossen. So verschwand endgültig ein unverwechselbares Stück Braunschweiger Antiquariatsgeschichte. In unserer Erinnerung wird es fortleben.

Hier ist Horst Henneberg noch zwischen zwei Menschen zu sehen, die mit dem Ende und den Anfängen seiner Antiquariatstätigkeit besonders verbunden waren.

Von links nach rechts: Jan Raabe, Horst Henneberg und Heiner Waßmuß an der Bücherscheune Bevenrode 2011

Antiquarische (und neue) Bücher in Braunschweig kaufen – trotz Krise!

Schwere Zeiten: Im Rahmen der Maßnahmen gegen die Covid-19-Pandemie mussten bis jetzt wie bereits im Frühjahr 2020 auch die Antiquariate und Sortimentsbuchhandlungen in Braunschweig geschlossen bleiben. Die Mehrzahl der Braunschweiger AntiquarInnen ermöglichten aber die Abholung bestellter Bücher und die Lieferung direkt oder per Post und tun dies natürlich auch weiterhin.

Neu: Vom 8. März 2021 an dürfen Buchhandlungen, also auch antiquarische Ladengeschäfte, unter Einhaltung der derzeit geltenden Corona-Regeln wieder Kundinnen und Kunden einlassen. Bitte informieren Sie sich bei den InhaberInnen über aktuelle Ladenbesuchs-, Bestell-, Liefer- und Abholmöglichkeiten (Kontaktinformationen siehe hier).

Eine Liste von inhabergeführten Braunschweiger Firmen, bei denen telefonisch oder online Waren bestellt werden können, findet sich hier auf der Internetseite der Stadt Braunschweig: Bestell- und Lieferservice Einzelhandel. Gleich in der ersten Rubrik Bücher, Schreibwaren und Geschenkartikel informieren inhabergeführte Sortimentsbuchhandlungen und mehrere Antiquariate der Löwenstadt kurz darüber, auf welche Weise sie Beratung und Kauf ermöglichen.

Fast alle Braunschweiger Antiquarinnen und Antiquare halten ihr vielfältiges Angebot weiterhin für Sie bereit. Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme sind unserem aktuellen Faltblatt zu entnehmen, siehe hier im vorletzten Beitrag, wo es bei Bedarf heruntergeladen werden kann. Und auch direkt auf unserer Website finden sich die Kontaktinformationen der einzelnen Geschäfte sowie Angaben zu den aktuellen Besuchs-, Bestell- und Liefermöglichkeiten.

Braunschweiger Laden-Antiquariate

Die meisten Laden-Antiquariate Braunschweigs bieten einen großen oder kleineren Teil ihrer Bücher zusätzlich auf verschiedenen Internet-Plattformen an, so dass dort in Ruhe die Angebote virtuell durchstöbert werden können. Bestellungen sind selbstverständlich auch durch direkte Kontaktaufnahme per Mail oder Telefon möglich, denn auf den Plattformen ist immer nur ein Teil des Verfügbaren eingestellt.

Erinnerung an Josef Kusche

Im März 2020 mussten wir Abschied nehmen von Josef Kusche, der im Alter von 91 Jahren starb. Er stand uns Braunschweiger AntiquarInnen viele Jahre mit seiner buchbinderischen Handwerkskunst hilfreich zur Seite und restaurierte mit alten Materialien und Werkzeugen sorgsam manchen Bücherschatz, gab auch bereitwillig Rat und Anleitung zur Bücherpflege. All dies fehlt uns jetzt sehr. Auch seine Freundlichkeit, sein feiner Humor und seine Verbundenheit mit der schlesischen Heimat sowie die Leidenschaft für den Garten werden uns unvergessen bleiben.

Faltblatt der Braunschweiger Antiquariate 2020

Das erst vor einem Jahr aktualisierte und neu gedruckte Faltblatt war leider bereits nach wenigen Monaten nicht mehr auf dem neuesten Stand: Das Fidus Antiquariat, ein darin verzeichnetes Versandgeschäft, existiert seit Sommer 2019 nicht mehr. Die Inhaberin, Rita Sagasser, musste es aus gesundheitlichen Gründen schließen. Und im Herbst 2019 hat leider auch Klaus-Peter Owetzki, Inhaber des Versandantiquariats Alter Zeughof, den Geschäftsbetrieb eingestellt. Wir wünschen beiden, die so lange zur Vielfalt der Braunschweiger Antiquariatsszene beitrugen, alles Gute für die Zukunft.

Rechtzeitig zum 5. Braunschweiger Antiquariatsmarkt liegt nun die 7. Auflage vor. Lücken im Faltblatt sind nicht entstanden, denn diesmal haben sich als weiteres Ladengeschäft Antiquariat Serge, das auch schon mehr als 10 Jahre in einer urigen Braunschweiger Passage, dem Handelsweg, existiert, sowie das 1986 zunächst als Antiquitätengeschäft mit Laden gegründete und inzwischen als reines Versandgeschäft betriebene Antiquariat Kohlweyer mit besonderem Schwerpunkt Kinderbücher und Papierantiquitäten beteiligt, letzteres gemeinsam mit dem Lehndorfer Versandantiquariat. Es sind also acht antiquarische Ladengeschäfte und drei Versandantiquariate im neuen Faltblatt verzeichnet, alle in Braunschweig beheimatet.

Das neue Faltblatt, wie immer mit Standortplan, wird in Kürze an vielen Stellen (Museen, Bibliotheken, Begegnungsstätten und natürlich in den Geschäften selbst) ausliegen, es kann per Mail an mail@braunschweiger-antiquariate.de kostenfrei bestellt oder hier direkt heruntergeladen werden.

Buchvorstellung Oskar Ansull: „Heimat, schöne Fremde“ im Antiquariat Buch & Kunst am 3. Dezember 2019, 20 Uhr

Noch einmal bietet sich die – selten gewordene – Gelegenheit, in Buch & Kunst, Kasernenstraße 12, 38102 Braunschweig, eine Lesung mit besonderem Bezug zu unserer Region zu erleben: Oskar Ansull liest Vom Braunschweiger Parnass: Lessing & Leisewitz & ein falscher Prinz sowie weitere literarische Seitengänge von Anton Ulrich bis Hans Pleschinski aus seinem Buch: Heimat, schöne Fremde. Celle. Stadt und Land. Eine literarische Sichtung. Näheres zu dieser Neuerscheinung siehe hier. Und zu der schönen und inspirierenden Veranstaltungsstätte, dem kürzlich 35 Jahre alt gewordenen Antiquariat Buch & Kunst, gibt es hier noch Wissenswertes.

Eintritt 5,00 EUR

Der Schriftsteller, Rezitator, Übersetzer und Herausgeber Oskar Ansull betätigt sich immer wieder als literarischer Schatzgräber, beispielsweise im Fall des österreichischen Schriftstellers Karl Emil Franzos, dessen Leben und Werk er in Lesungen und einem Lesebuch „Zweigeist“ mit beigelegter CD vorstellte. Sehr bekannt wurde auch sein Programm „Felices Bücher“, das er in über hundert Lesungen deutschlandweit und im Ausland darbot. Die deutsche Jüdin Felice Schragenheim, deren Schicksal dem Film „Aimee und Jaguar“ als Vorlage diente, hatte vor ihren gescheiterten Ausreiseversuchen eine Liste von Büchern erstellt, die sie hätte mitnehmen wollen. Diese Bücher sammelte Ansull nach und nach in Ausgaben der damaligen Zeit in einem Koffer, den er schließlich der Gedenkstätte Bergen-Belsen übergab. Dazu siehe hier: https://celleheute.de/lesung-felices-buecher/

Nachtrag: Oskar Ansull bei seiner Buchvorstellung am 3. November in Buch & Kunst